Gastbeitrag: Gefangen auf der Insel

Liebe Julis,

ich hoffe, dass es euch und euren Familien in diesen Krisenzeiten gut geht. Unser Kreisvorsitzender Christian fragte mich, ob ich einen Beitrag in Form eines Blogs zum Thema Coronavirus im Ausland schreiben könnte.

Zur Einordnung: Nach dem Abitur im vergangenen Jahr habe ich mich Anfang Oktober nach Australien verabschiedet. In Down Under blieb ich fünf Monate, reiste entlang der Ost-und Westküste, tourte durch das Outback bis hin zum Uluru und arbeitete in einer Werbefirma im Norden Sydneys.

Seit dem 15.3. befinde ich mich in Neuseeland, seit mittlerweile einer Woche stecke ich hier fest. Fast stündlich checke ich mein E-Mail-Postfach, ob ich denn eine Nachricht des Auswärtigen Amtes erhalten habe. Was war passiert?

Ursprünglich wollte ich mit einem Backpacker-Reiseunternehmen per Bus in vier Wochen die Nord- und Südinsel erkunden. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde diese Tour jedoch völlig zu Recht abgesagt, sodass ich für einige Tage in Auckland festsaß. Folglich versuchte ich, so schnell wie möglich, Neuseeland in Richtung Heimat zu verlassen. Deshalb buchte ich einen Rückflug über Dubai. Da dieser gestrichen wurde, machte sich so langsam Verzweiflung breit. Ein Ass hatte ich aber noch im Ärmel: Meine australische Verwandtschaft.

Einer aus meinem Aussie-Clan ist Neuseeländer und organisierte, dass ich bei seinem Neffen, der über eine Farm im Nordwesten Aucklands verfügt, untergekommen bin. Die mir entgegengebrachte Gastfreundschaft ist beeindruckend. Von komplett fremden Menschen so wunderbar aufgenommen zu werden, macht wehmütig. Insbesondere wenn man um die Situation anderer Backpacker weiß, die bei der Suche nach Übernachtungsmöglichkeiten noch eine ganz andere Odyssee durchmachen müssen. Ich versuche, so gut es geht bei der täglichen Arbeit zu helfen: Bei 200 Hektar Land mit 230 Kühen hat man ganz gut zu tun.

Das Auswärtige Amt hat aufgrund der gekappten Flugverbindungen eine noch nie dagewesene Rückholaktion gestrandeter Deutscher im Ausland ins Leben gerufen. Auch ich bin im Programm registriert und warte nun auf eine Benachrichtigung der Botschaft bezüglich eines Rückfluges. Die Beamtinnen und Beamten arbeiten gerade mit Hochdruck an der Organisation dieses Kraftaktes. Insgesamt halten sich mehr als 12.000 Deutsche in Neuseeland auf.

Die neuseeländische Premierministerin und Labour-Chefin Ardern hatte am 25. März den nationalen Notstand ausgerufen. Dieser ermöglicht den Sicherheitskräften erweiterte Befugnisse wie beispielsweise Militärpatrouillen. Ebenso gilt eine Selbstisolationspflicht für jedermann. Wer den Vorschriften nicht nachkommt, wird von den Behörden mit hohen Strafen sanktioniert (Abschiebung, Inhaftierung, Geldstrafen).

Neuseeland hat, so denke ich, noch Glück im Unglück. Hier gibt es „erst“ 647 bestätigte Covid-19-Fälle (Stand 1. April). Ich hoffe, dass aufgrund des zügigen Handelns der Regierung die „Kiwis“ von einer raschen, das Gesundheitssystem überrollenden Ausbreitung des Coronavirus verschont bleiben.

Passt auf euch auf und bleibt gesund!

Liebe Grüße vom anderen Ende der Welt

Lucas Zimmermann

Christian Vogel