Die Seuche der Anderen. – ein Kommentar

Die Corona-Pandemie führt uns, den Bürgern der EU, schonungslos vor Augen, was leider harte Realität ist: Die Freiheit, welche wir in den letzten 15 Jahren genießen durften, ist brüchig, mehr noch, sie ist gefährdet. Die Regierung der Tschechischen Republik unter Andrej Babiš führte die restriktivsten Sanktionen innerhalb der EU-Mitgliedsstaaten ein, dabei stellt sie aber keine Sicherheit für ihre Bürger sicher. Nein, vielmehr stiftet Die Regierung Chaos, ein Gefühl der Planlosigkeit macht sich breit. Als Babiš am 14.03.2020 um Punkt null Uhr die Grenzen komplett schließt, bildete sich innerhalb kürzester Zeit ein 50km lange Schlange am Grenzübergang in Reitzenhain. Nicht nur Privatpersonen waren von den Maßnahmen betroffen, auch Lastkraftwagenfahrer wurden nicht berücksichtigt, es herrschte Planlosigkeit und Chaos unter den Betroffenen. Wenige Tage später erließ die Regierung eine Ausnahme für Lastkraftwagenfahren und Pendler, diese durften nun wieder die Grenze passieren. Knapp zwei Wochen später dann die Meldung: Pendler nun doch nicht, man habe Angst sie könnten das Virus einschleppen. Einmal mehr Chaos, einmal mehr gab es wenige Tage später wieder Ausnahmen: Pendler, welche von Deutschland nach Tschechien pendeln, werden von der Grenzschließung ausgenommen. Die Debatte um den Grenzschutz wird auch innerhalb der Tschechischen Republik heftig diskutiert, ebenso hier gibt die Regierung ein verwirrendes Bild ab. Während der Präsident eine Grenzschließung von bis zu zwei Jahren für realistisch hält, dementiert Babiš sofort, nur um am Folgetag zu verkünden, dass man über den Vorschlag des Präsidenten nun doch debattieren werde. Was jedoch wenige außerhalb der Tschechei bemerken: Die Regierung prüft unter dem Vorwand der wirtschaftlichen Instabilität die Verstaatlichung von wichtigen Betrieben, in erster Linie geht es um Lebensmittelhersteller. Die Begründung: Die Versorgungslage muss gewährleistet werden, der Staat kann das besser als der freie Markt. Was man dazu aber wissen sollte: Der Premierminister war der Eigentümer der Firma AgroFert, einer Aktiengesellschaft, welche sich unter anderem auf Lebensmittelherstellung fokusiert. Dass man Babiš Interessenskonflikt vorwirft ist nichts Neues, dass er seine Firma an die Treuhand abgegeben hat, glaubt ihm weder sein Volk, noch die Spitzen der Europäischen Union. Aber mit der Verstaatlichung von wichtigen Lebensmittelherstellern in Tschechien würde er aber direkte Konkurenten seiner „ehemaligen“ Firma ausschalten. Zufall?

Der Tschechischen Bevölkerung scheint dies aber wenig zu schmerzen, im Gegenteil: Die Forderung, man müsse die Kranken und diejenigen lynchen, welche die Seuche eingeschleppt haben, ist eine salonfähige Meinung geworden. Dieser Hass richtet sich primär gegen Asiaten und Italiäner. Die sind schuld! Das Virus wäre sonst nie nach Tschechien gekommen, es ist die Seuche der anderen.

Der Tschechischen Republik, ansässig im Herzen von Europa, ist das selbse Schicksal widerfaren wie Polen oder Ungarn, wo die Exekutive die aktuelle Krise zu ihrem Zwecke nutzte. Wir dürfen aber vor dem scheinbaren Vormarsch der Korrupten nicht zurückschrecken. Gerade wir als Deutsche, wir als gute Nachbarn müssen den Dialog mit der Zentralregierung in Prag aufrecht erhalten, ansonsten können wir uns nach und nach, Stück für Stück, vom Schengen-Abkommen verabschieden.

Christian Vogel