Deutschland ist ein Einwanderungsland. Rund 30 Prozent der Bevölkerung haben einen Migrationshintergrund. Auch im Gesundheitswesen sind Menschen mit internationaler Geschichte längst selbstverständlicher Teil der Versorgungsrealität – als Patienten ebenso wie als Fachkräfte.
Unser Gesundheitssystem steht vor erheblichen Herausforderungen. Nach Angaben des Deutschen Roten Kreuzes werden täglich rund 14.000 bis 15.000 Blutspenden benötigt, um Operationen, Krebstherapien, Notfallversorgungen und chronische Erkrankungen abzusichern. Trotz einer grundsätzlich stabilen Versorgung berichten Blutspendedienste regelmäßig von kritischen Lagerbeständen. Blutpräparate sind nur begrenzt haltbar. Bereits saisonale Schwankungen, Grippewellen oder Ferienzeiten führen zu Engpässen.
Gleichzeitig sinkt die Zahl der regelmäßigen Spenderinnen und Spender seit Jahren. Nur etwa 3 bis 5 Prozent der Bevölkerung spenden überhaupt Blut. Angesichts des demografischen Wandels verschärft sich die Lage weiter: Während der Anteil älterer, transfusionsbedürftiger Menschen steigt, schrumpft die Gruppe potenzieller Spender. Vor diesem Hintergrund ist es nicht nachvollziehbar, warum bestehende Regelungen den Spenderpool unnötig einschränken.
In der Praxis verlangen viele Blutspendedienste ausreichende Deutschkenntnisse, da die rechtlichen Rahmenbedingungen keine klaren Regelungen zum Einsatz von Dolmetschern enthalten. Ziel ist es, Vertraulichkeit und medizinische Sicherheit zu gewährleisten.
In der Praxis führt diese Regelung jedoch dazu, dass Menschen ausgeschlossen werden, die nicht über ausreichende Deutschkenntnisse verfügen – selbst wenn sie gesundheitlich uneingeschränkt geeignet wären.
Damit wird ein erheblicher Teil der Bevölkerung faktisch von der Blutspende ausgeschlossen – allein aus sprachlichen Gründen. Angesichts eines erheblichen, bislang ungenutzten Potenzials an Spendern ist dies weder medizinisch noch gesellschaftspolitisch sinnvoll.
Wir Jungen Liberalen stehen für eine offene Gesellschaft und für den Abbau unnötiger Bürokratie. Wer spenden will und medizinisch geeignet ist, darf nicht an vermeidbaren Sprachbarrieren scheitern.
Die Jungen Liberalen Chemnitz fordern:
- Eine rechtssichere Klarstellung in den einschlägigen Regelwerken, um den Einsatz zertifizierter Dolmetscherinnen und Dolmetscher bei Blutspenden zu ermöglichen.
- Die Einführung bundesweit standardisierter, mehrsprachiger Anamnesebögen