Sprachkenntnisse sind die zentrale Voraussetzung für erfolgreiche Integration. Ohne ausreichende Deutschkenntnisse bleiben Bildung, Ausbildung, Arbeitsmarkt und gesellschaftliche Teilhabe verschlossen. Der seit Ende 2025 geltende Zulassungsstopp für freiwillige Teilnehmer an Integrationskursen gefährdet diese Teilhabe in erheblichem Maße.
Integrationskurse sind für viele Zugewanderte der wichtigste und oft einzige strukturierte Zugang zum Spracherwerb. Die Kurskosten von mehreren tausend Euro können die meisten Betroffenen nicht eigenständig tragen. Wer zur Finanzierung gezwungen wird, bleibt faktisch ausgeschlossen. Integration darf jedoch nicht vom Geldbeutel abhängen.
Die Begründung des Zulassungsstopps mit haushaltspolitischen Erwägungen überzeugt nicht. Für das Haushaltsjahr 2026 sind rund eine Milliarde Euro für Integrationsmaßnahmen vorgesehen. Vor diesem Hintergrund ist es politisch nicht nachvollziehbar, ausgerechnet beim Spracherwerb – der Grundlage aller weiteren Integrationsmaßnahmen – Einschränkungen vorzunehmen.
Zudem führt der Rückgang der Zuwanderungszahlen zu frei werdenden Kapazitäten bei Kursträgern. Anstatt diese Strukturen zu stabilisieren und effizient zu nutzen, werden sie durch den Zulassungsstopp zusätzlich geschwächt.
Kommunen, Bildungsträger und Gewerkschaften warnen eindringlich vor langfristigen Folgekosten. Fehlende Integration führt zu längerer Arbeitslosigkeit, höheren Sozialausgaben und ungenutzten Fachkräftepotenzialen. Jeder nicht finanzierte Sprachkurs heute verursacht höhere Kosten morgen. Präventive Investitionen in Sprachförderung sind ökonomisch sinnvoller als spätere Reparaturmaßnahmen.
Gerade in strukturschwächeren Regionen wie Sachsen, die vor erheblichen demografischen Herausforderungen und einem wachsenden Fachkräftemangel stehen, ist gelingende Integration ein zentraler Standortfaktor. Wer integrationswillige Menschen sprachlich ausbremst, schwächt die wirtschaftliche Zukunftsfähigkeit des Landes.
Wer arbeiten, lernen und sich einbringen möchte, verdient Unterstützung statt zusätzlicher Hürden. Sprachförderung ist keine freiwillige Leistung, sondern eine
Investition in sozialen Zusammenhalt, wirtschaftliche Stärke und demokratische Stabilität.
Wir fordern:
- Unverzügliche Aufhebung des Zulassungsstopps. Der seit Ende 2025 geltende Zulassungsstopp für freiwillige Teilnehmer an Integrationskursen ist umgehend zurückzunehmen.
- Dauerhafte Finanzierungssicherheit. Der Bund stellt eine bedarfsgerechte und langfristig Finanzierung der Integrationskurse sicher.
- Flächendeckenden und zeitnahen Zugang. Allen integrationswilligen Personen ist ein zeitnaher und wohnortnaher Zugang zu Integrations- und Sprachkursen zu gewährleisten.